Umstrittener „Hexensabbat“

Gießener Allgemeine vom 25. April 2019 • von Karen Werner

Hexe und katholische Kirche – bei dieser Kombination zuckt manch Zartbesaitete zusammen und denkt an Folter und Scheiterhaufen. „Ja, es gibt solche Reaktionen. Uns haben sie ein bisschen überrascht“, sagt Jakob Handrack, Vorsitzender des Fördervereins der Pfarrei St. Thomas Morus. Dass der Verein für den kommenden Dienstag (30. April) zum „Hexensabbat“ in die Katakombe der Kirche einlädt, entlockt dem zuständigen Pfarrer und Dekan Hans-Joachim Wahl einen tiefen Seufzer. „Ich bin darüber unglücklich“, sagt der Seelsorger im GAZ-Gespräch. „Man hätte es besser ›Tanz in den Mai‹ genannt.“

Hexe und katholische Kirche – bei dieser Kombination zuckt manch Zartbesaitete zusammen und denkt an Folter und Scheiterhaufen. „Ja, es gibt solche Reaktionen. Uns haben sie ein bisschen überrascht“, sagt Jakob Handrack, Vorsitzender des Fördervereins der Pfarrei St. Thomas Morus. Dass der Verein für den kommenden Dienstag (30. April) zum „Hexensabbat“ in die Katakombe der Kirche einlädt, entlockt dem zuständigen Pfarrer und Dekan Hans-Joachim Wahl einen tiefen Seufzer. „Ich bin darüber unglücklich“, sagt der Seelsorger im GAZ-Gespräch. „Man hätte es besser ›Tanz in den Mai‹ genannt.“

„Solides kulturelles Angebot“

Der Förderverein sei bekannt für solide kulturelle Angebote, betont Handrack. „Okkultes“ liege ihm fern. Die Assoziation Hexe sei durch die Walpurgisnacht entstanden. Und diese traditionelle Bezeichnung für die Nacht auf den 1. Mai habe durchaus christliche Wurzeln. Sie stehe „im Spannungsfeld einer starken Christianisierung im Mittelalter durch die Verehrung der Heiligen Walburga und der Überlieferung vorchristlicher, heidnischer Bräuche“. Thomas Ransbach ergänzt: „Der Name zielt mitnichten ab auf die fürchterliche Epoche, in der man Menschen verbrannt hat.“

Ein „Tanz in den Mai“ hätte den Initiatoren zu „bürgerlich-klassisch“ geklungen für die Veranstaltung, erläutert Handrack. Sie will „einheizen“ mit Tanz und Live-Popmusik der renommierten Künstler Ingi Fett, Ransbach und Stephan Pussel. Der Charakter des Abends sei am Werbematerial deutlich zu erkennen.

Die Plakate und Werbezettel seien schon gedruckt gewesen, als er auf den „Hexensabbat“ aufmerksam wurde, so Wahl. „Verbieten werde ich das nicht.“ Seiner Überzeugung nach sei die Veranstaltung im Grunde harmlos. „Die Leute sind selber groß und können entscheiden, ob sie da hingehen.“ Den Förderverein-Vertretern habe er seine Sicht der Dinge zu erklären versucht. Handrack hat dafür nun durchaus Verständnis. „Für uns lag die Bezeichnung einfach nahe.“ Der Förderverein hofft, dass die Kritik niemanden vom Besuch abhalten wird.

Angekündigt ist „ein grotesker Tanz in den Mai“. Eine Kostümierung beispielsweise als Hexe, Geist oder Dämon ist „erwünscht“. Auf der Bühne stehen die Sängerin und Solo-Künstlerin Ingi Fett – bekannt von den „Drei Stimmen“ – sowie zwei Kollegen mit langjähriger Erfahrung als Band-Frontmann. Thomas „The Voice“ Ransbach, Kantor der St.-Thomas-Morus-Gemeinde, sieht sich als Brückenbauer zwischen „ernster“ und unterhaltender Musik. Der schillernde Entertainer Stephan Pussel aus Lauterbach wurde auch als Fastnachtssänger bekannt.

Die Veranstaltung im Gemeindesaal unter der Kirche an der Grünberger Straße 80 beginnt am Dienstag, 30. April, um 21 Uhr. Karten gibt es ab 20 Uhr (Einlass) an der Abendkasse.